dieser Urlaub gehörte zu den Schönsten, die ich erlebt habe. Die sorglose Kombination aus Wandern, Kultur und Betreuung durch einen Guide ist genau das Richtige, um mich wohl zu fühlen. Meistens bin ich vor Reisen recht aufgeregt, erst recht wenn ich alleine ins Ausland fliege….diesmal  wunderte ich mich über die innere Ruhe vor der Reise. Ein wenig nervös schaute ich auf die Uhr, und verfolgte die Busstationen und die Schlange am Lufthansa – Schalter, aber alles passte und so kam ich gut in Florenz an. Unser Guide wartete schon mit einem Schild und der Liste seiner Urlauber. Nach einer kurzen  Busfahrt erreichten wir unser Hotel Torretta in  Montecatini Terme und ich atmete auf. Mein Zimmer mit Balkon war angenehm frisch und lag im  dritten Stock. Am Abend versammelte sich die Reisegruppe um alle Informationen rund um die nächsten Tage und Touren zu erfahren, ehe wir unser Gourmet – Essen aus fünf Gängen, serviert bekamen. Das wiederholte sich übrigends jeden Abend und war köstlich abgestimmt und zu so später Stunde viel zu viel. Nach meinen Fastentagen so kurz vor der Reise, ließ ich hier etliche Tage das meiste auf dem Teller.

 

 

 

Die Mischung aus Bewegung und Kultur gab den Ausschlag endlich die Toskana kennen zu lernen. Als bewegunsfreudiger Mensch bin ich gerne auf Wiesen und im Wäldern unterwegs und schaue mir kleine alte Dörfer an, die einen Hauch Vergangenes in die Gegenwart bewahrt haben. So wie ich immer noch alte Landhäuser und Gehöfte mit Gärten mag, diese auch male, so freute ich mich, sie hier in der Toskana zu finden. Und richtig, denn gleich am nächsten Tag stand der Geburtsort von Leonardo da Vinci auf dem Plan.  Der Weg von Vinci über die Olivenhaine, mit ihren roten Mohnblüten und den vielen Farben und Gräsern ließ mein Herz höher schlagen und die Kamera nur so klicken.

Ich hatte mich entschieden die gute Sony Spiegelreflex mit zu schleppen und nun sollte sie festhalten was meine Augen sahen. Typische toskanische Häuser in Ockerfarben, sanfte Hügel und diese Zypressen, die wie Türme aus der Landschaft ragen. Leonardo war ein Museum gewidmet und sein Geburtshaus ließ ihn hier für einen kurzen Moment lebendig werden. Ich bereute zunächst,  diese Lederhülle mit seinem Menschenbild nicht gekauft zu haben…sie schien mir zu teuer..doch das holte ich dann später in Siena nach. So war dieser Tag auf den Spuren Leonardos schon mal eines der schönsten Erlebnisse dieser Reise.

Sehr gespannt war ich auf Siena.

Der Stadtfüher   hatte viele Informationen und auch Insiderwissen, da er seit fünfunddreißig Jahren hier lebte und aus Deutschland stammte. Dass sein Herz den Sienesen gehört war in jedem Satz zu spüren und seine zynischen Bemerkungen über Deutschland gefielen nicht allen Reisenden unserer Gruppe…mir schon 🙂 Interessant waren die Erklärungen im Dom zu den Steinbildern im Boden und deren Geschichte und Bedeutung…nach Gerds Ausführungen gab es eine Zeit, die wesentlich fortschrittlicher im Sachen Demokratie und Kultur des Zusammenlebens war, im Gegensatz  zu den aktuellen Entwicklungen auf der Welt. Immer öfter stolpere ich persönlich über Informationen, wie Wissen über alte Kulturen und Zusammenhänge ganz im Mainstream ganz anders überliefert und propagiert werden…macht Spaß hier den Horizont zu erweitern.

Neugierig verfolgte ich seine Ausführungen. Der große Platz  in der Mitte Sienas war  ein interessanter Ort. Man kann sagen, er hat eine magische Wirkung, die sich darin zeigt, das Menschen sich hier nieder zu lassen und wohl fühlen, quasi in der Masse baden und doch relaxen und Sonne tanken. Es gibt Plätze die als Begegnungsort funktionieren, sagte Gerd und er hatte recht.

Ähnlich empfand ich den Park in Montecatini wo Einheimische und Kurgäste spielen, spazieren und einfach ausruhen. Unter Palmen und geheimnisvollen Pinienbäumen, die mich zum zeichnen veranlassten, war auch das ein Ort der Begegnung.

Die  Aussage unseres Guides, dass es in den Bergen der Apenninen kein Problem mit Zecken gäbe, wurde ich nach unserer Wanderung eines Besseren belehrt. Ich hatte drei dieser Biester am Körper und konnte sie entfernen. Die Frage wo ich sie aufsammelte war müßig. Diese Wanderung war anstrengend und wir fuhren in die Berge hinter Pistoia und überwanden dabei 500 Höhenmeter. Ein alter Pilgerfad diente den  Franziskanern diente für die Überquerung der Hügelkette…ein Eselstieg mit Naturstein gepflastert, führte stetig hinauf. Jürgen erklärte uns, dass es bis in die 60 Jahre hier keine ausgebauten Strasse gab, dieser Weg der einzige Pfad ins Bergdorf war.

Auch wenn ich zwischendurch über die Anstregnung schnaufte, machte mein Körper doch Reserven locker, um das Pensum zu meistern. Herrliche Ausblicke und ein uriges Bergdorf, das gerade saniert wird, erwartete uns. Viele Eigentümer, die hier lange Zeit ihre Anwesen verfallen ließen, besinnen sich gerade wieder darauf und bauen sie wieder auf. Hier können verlassene Landsitze für einen Euro gekauft werden mit der Auflage sie zu sanieren. Es gibt Bedarf an Urlaubern die dann solche Landsitze mieten. Vorbei kamen wir an einer Quelle, der Aufstieg schien kein Ende zu nehmen und das Panini (Pausenbrot) half Brennstoff für den Stoffwechsel zu liefern. Ich aß über Mittag so gut wie nichts, meistens hatte ich viel Wasser dabei, Obst und im Notfall einen Müsliriegel. Hier war das Weißbrot mit Salami ein wichtiger Energiespender.

Im Waldstück zeigten sich die Erdrutsche und Windbrüche der letzten Wochen. Starker Regen und Wind hatten ganze Schlammlawienen ausgelöst, und so hieß es auch aufpassen, über Totholz steigen und schiefen Bäumen ausweichen. Auf dem Gipfel machten wir Rast und hatten auf 1051 Metern einen wundervollen Rundblicke über das Land, die Apenninen und den Fluß Reno. Licht und Schatten über den sanften Berghügeln war imposant und doch kündigten sich Regenschauer an. Wir hatten fast  alle Tage Glück, das wir nicht nass wurden und es nicht zu heiß war. Sonne und Wolken wechselten ständig.

Auf dem Rückweg, es war Sonntag, mischten wir uns unter die Einheimischen von Pistoia. Alle anderen Städte die wir besuchten waren voller Touristen – doch hier spazierten die Italiener über Markt und Straßen. Angenehm sich ein Eis zu gönnen. Jürgen unser Guide, organisierte den Eintritt in den Dom, um den silbernen Altar zu sehen und sich hier noch ein paar historische Daten abzuholen.

Meistens kamen wir kurz vor 18 Uhr in unser Hotel zurück. Die Tage waren angefüllt vom Frühstück bis zum Abendbrot, das meistens gegen 21 Uhr endete. Keine Zeit für Anderes, ich brauchte weder Fernsehen noch mein Tablett, das mich sonst so fesselte und auch Zeitungen und Lesestoff gab es keinen. Aber meine Skizzenhefte waren täglich bei mir und ich hielt Eindrücke zeichnerisch fest. Zu jeden Event malte ich eine Aquarellskizze. Selbst dafür musste ich mich beeilen und schaffte es nicht immer vor dem Abendbrot noch zu duschen.

Weitere Städte die zu unserer Reise gehörten waren Lucca. Hier fuhren wir mit der Bahn und  die dauerte keine halbe Stunde. Überhaupt lag unser Kurort günstig an einer Bahnlinie zwischen Meer, Viareggio, Pisa, Lucca, Pistoia und Florenz. So hatten wir Gelegenheit einfach mal in den Storm der Bahnfahrer einzutauchen. Bahfahren war hier easy und Jürgen erklärte wie es lief. Lucca begeisterte durch die alte Arena, deren Mauern zu Wohnhäusern ausgebaut wurde und einen tollen Innenplatz für Geschäfte und Restaurants bot. Ich bin nicht auf den Turm gestiegen – wir hatten in jeder Stadt die wir besichtigten noch einige Stunden, um sie allein zu erkunden. In den Kulturstätten waren Himmel und Menschen, Touristen wie wir und so drängten sich viele Leute durch die Gassen. Auffallend ist das exklusive Angebot an Klamotten, Schuhen und Lederwaren. Wer hier ein Taschenfan ist, kolabiert,  würde ich sagen. Auch so ganz andere modische Stoffe und Schnitte, als hier in den Einkaufsmeilen zu sehen sind. Viel Luxus und Hochwertiges, auch an Eiskreme und Konditoreien und Fleischereien – nee kein Schmutz und nix Plödiriges. Aber aus den großen Kulturstätten wieder heraus zu kommen tut auch gut und zwischendurch einfach mal wieder  über das Land zu wandern.

Da war das Chianti – Weingebiet wo wir eine Tour durch die Weinberge liefen. Ein Gewitter verfolgte uns, entschied sich aber uns in Ruhe zu lassen. Ich warf mich auf die Wiese unter die Weinstöcke und knipste Foto über Foto, ich wollte doch Futter für meine Malmotive und Erinnerungen konservieren, und nicht die schönste Bildeinstellung verpassen.

In einer verlassenen Steinhütte, bereiteten wir eine Weinverkostung vor und aßen dazu Käse, Tomaten, Oliven Brot und Gurken. Jürgen erzählte uns Einiges über Unterschiede in Weinsorten und Herstellung. Natürlich auch etwas zu den großen Weinmonopolen der Vergangenheit und Gegenwart. In Greve trank ich meine erste italienische Schokolade da pana – mit Sahne. Unser Guide hatte sie mir empfohlen, da kannste quasi den Löffel drin stehen lassen und stimmte, so schokoladig wie flüssiger Pudding. Ein paar Minuten blieben noch, um die traditionsreichen Geschäfte zu besuchen. Ein Fleischer mit Wildschweinsalami und hier noch ein Skizzenheft im Lederhülle. Toll

Der wirklich verregnete Tag war unser Pisa – Tag. Zum Glück hatte ich in Greve einen Schirm gekauft. Als wir auf dem Busparkplatz vor der Stadt ankamen, goss es Blasen, und es sah nicht so aus, als würde das in Kürze aufhören. Der Busfahrer kam nicht dazu ordentlich an der Bordsteinkante einzuparken, ein paar schwarze Händler rannten herbei, mit Schirmen und capes in den Händen…Umbrella kaufen. Doch wir machten erstmal keine Anstalten aus dem Bus zu steigen, ich verkniff mir den Toilettengang. Die Vorwarnung von Jürgen war berechtigt, wir werden auf dem Weg zum Turm von Pisa …zum Platz Miracoli, durch eine Händlergasse laufen. Auch der Regen brachte den Händlern Geschäft. Jetzt waren es Regenschirme, und wenn es zu sehr platterte, drängten sich die strömenden Besucher unter die Händlerschirme. Gut, auch das war irgendwann geschafft und wir kamen auf den Zauberplatz mit dem schiefen Turm. Menschenmengen, das der Rasen kaum zu erkennen war – und heute sind es noch wenig meinte der Guide, na gute Nacht. Ich kaufte ein Ticket für 8 Euro und hatte drei Stunden mir das Innere der Gebäude anzusehen, da war das Museum der Sinopien (freigelegte Fresken mit den Vorzeichnungen der Meisterwerke) Ich war im Dom und hörte den Gesang der vollen Stunde. Hier zeichnete ich schnell die Szenerie im Halbdunkel einer Säule. Auch wenn der Regen nachließ und ich mich an die Besucherströme gewöhnte, so reichte die Zeit für einen Überblick. Die Geschichte zur Schiefe des Turmes in Kurzfassunng, bekam ich auch mit. Es war klar, das man vor kurzem den Turm sicherte und dabei hätte man ihn auch aufrichten können. Warum das nicht passiert ist …klar.  Im  Stadtzentrum von Pisa war ich nicht, dafür blieb keine Zeit.

Eigentlich verweilten  wir hier länger als geplant, denn es war für den Nachmittag eine Bergwanderung angesagt. Diese ließen wir durch den Regen ausfallen und machten statt dessen einen Standspaziergang in Viareggio. Barfuß sammelte ich einige Muscheln und als wir uns dem Hafen näherten begann es heftig zu regnen. Hecktisch die Socken über die sandigen Füße gestreift und weiterlatschen, bis zur Promenade. Hier verschnauften wir müde und ich trank meine zweite Schokolade. Als Malerin habe ich nicht das Ohr für Musik, doch andere Reiseteilnehmer schon und in Montecatini ziert eine Bronzefigur von Puccini die Kurstrasse. Es gab optional Karten für ein Konzert mit berühmten Musikern, deren Namen ich bereits vergessen habe. Doch unser Guide ließ den Busfahrer kurz einen Stopp am Sommersitz des Puccini machen, das nahe der Strandwanderung lag.

Es gab einen Tag den wir zur freien Verfügung hatten, doch eifrig wie unser Guide war, hatte er für alle ein Angebot. Er wollte eine Wanderung in die umliegenden Bergdörfer unternehmen. Wer wollte konnte mit. Ich war also dabei und so ging es ziemlich lange bergan, zum Dorf Massa. Da die kleinen Cafe’s der Orte mit einem Trupp Wanderern oft überfordert waren, warnte  er hier den Wirt vor,  wir würden in zwei Stunden hier aufschlagen. Für uns ging es dann noch viel viel weiter bergauf. Sonne und ein herrlicher Blick über die Landschaft.

 

Für mich die Frage wie und wovon lebten die Menschen in solchen Dörfern? Es war umständlich hier hoch. Schon der Einkauf ein Problem, die Strasse ist so eng das nur ein kleiner PKW, mit Ampelregelung für den Gegenverkehr, sich durch die Gasse zwängen kann. Hier wurde vor ein paar Jahrzehnten alles noch mit Eseln und Karren geschafft. Der Abstieg war eigentlich eher ein neuer Aufstieg, auf den Berg nebenan, ehe es tief und rutischig auf einem überwucherten Weg weiter ging…und na klar wieder bergan. Ein Wasser und ein Riegel und der Wirt hatte endlich mal zu tun. Dafür waren die Preise hier auf Discounterniveau – quasi für ein paar einheimische Kaffeetrinker gedacht.  Es gab einen einzigen Bus zurück. Der war mächtig erstaunt zwölf Wanderer an der Haltestelle zu sehen. Dumm gelaufen, er hatte so viele Tickets nicht dabei, also sind wir ohne Ticket ins Tal gefahren, denn ohne Papierticket darf er kein Geld annehmen. Witzig.

Ein zweiter Ausflug den ich zu den schönsten Tagen zähle, war unser Aufstieg in den Ortsteil Montecatini Alto…Jürgen klärte uns auf  – alto bedeutet nicht alt, sondern hoch. Für die Laufschwachen gabe es eine Seilbahn, die auf einer Schiene den Berg hinauf gezogen wurde. Das Gefährt ist sehr alt und aus Holz, es ächzt aus allen Fugen, aber gepflegt – es ist die Funiculara gleich neben unserem Hotel. Ich bin zu Fuß hoch und es langsam gewöhnt. Eine gute halbe Stunde nur bergauf. Oben wirst du entschädigt mit einem herrlichen Rundblick über das Tal und den Kurort Montecatini mit seinen Termen, dem Park und den Villen. Der Innenhof ist urig und wird von kleinen Cafes gesäumt. Hier ließen wir uns nieder und wollten fast garnicht mehr aufstehen. Ein laues Lüftchen sorgte für die richtige Temperatur und die Sonne schien. Für eine Weile überlegte ich einen Tag zu schwänzen und hier einfach noch alleine hoch zu laufen. Ein Platz um die Seele baumeln zu lassen.

Aber es gab noch ein Event für den Nachmittag. Unser Hotelchef hat hier seinen Landsitz mit Olivenhain und erntet seine Oliven innerhalb einer Kooperative. Heute war der Tag wo er uns hier bewirtete und über seine Olivenernte und  Qualitätsunterschiede des Oil redete. Der Weg zu seiner Hazienda war schon mal wieder Balsam für mich, diese blühenden Wiesen und Straßenränder. Ich kann mich daran nicht satt sehen. Sesam öffne dich – ein eisernes Hoftor stand für uns offen. Die Schwester von Dante begrüßte uns und zeigte uns ihren Kräutergarten. Schon seit dem ersten Urlaubstag bin ich fasziniert von den Düften und Gerüchen auf allen Wegen. Rosmarien so intensiv, jetzt kenne ich das Gewürz und im Garten von Dante roch ich an Tymian, Estragon und Minze. Oh nein dieser Hoft mit dem typischen toscanischen Haus, den Olivenbäumen ringsum – Blumen – Zitrusbäume…oh ich war hin und weg. So ein Hoft könnte mir als Künstlerstandort gefallen. Dante, unser Hotelinhaber sprach deutsch und hatte eine Zeit hier studiert.

Er war ein Italiener mit Leib und Seele und erklärte uns begeistert wie Oliven angebaut und geerntet werden. Wir probierten drei verschiedene Sorten und am Ende kauften wir sein Öl. Doch dann gab es ein echtes mediteranes Essen…oder Imbiss, wie man es nennt. Das Dante ein Gourmet  ist war klar, nicht nur sein Bauch zeigt es, wir spüren es täglich auf der Zunge wenn das Abendessen kommt. Er kennt sich mit Kombinantionen von Kräutern, Gewürzen und Ölen aus. In seinem offenen Wintergarten bewirteten die Frauen uns herzlich. Wein, Brot, eine Paela und ein Teller mit kleinen Köstlichkeiten, Melone, Brothappen mit Belag, Schinken, Oliven und Salat…köstlich gewürzt. Als Nachtisch ein Stück Mandelgebäck zum Superwein, so heißt der Wein, der eher ein Wermut ist, also hochprozentiger als der Gewöhnliche. Im Hintergrund lief Musik, ein Blick in sein offenes Haus zeigte mir die Lebenskultur im Mittelmeerraum…das Wort mediteran durfte ich mit allen Sinnen hier erfahren. Was für ein Tag. Kaum hatten wir den Landsitz verlasen begann es zu gewittern und heftig zu  regenen.  So fuhr ich mit der Funiculare ins Tal. Am Abend lud Dante uns zu einer Führung in die große Terme von Montecatini  ein. Viel Interessantes hatte er zu berichten zum Kurstandort – zur Entstehung und Geschichte. Im Tempel kostete ich das Mineralwasser für das Montecatini berühmt ist. Es gibt diverse Quellen mit unterschiedlicher Zusammensetzung. Müde fiel ich ins Bett.

Der letzte Tag vor unserer Abreise war Florenz gewidmet. Hier fuhren wir wieder mit der Bahn und hatten nach der Stadtführung einige Stunden Zeit uns alleine in den Strassen zu bewegen. Ich kann mir nicht alles merken, aber unsere Stadtführerin Simone kannte sich gut aus und erklärte auf hohem Niveau das Wesentliche zu den Größen die in der Kirche ihr Grabdenkmal hatten. Das waren Galileo, Michelangelo, Marchiavelli und noch mehr. Die Geschichten zu den jeweiligen Personen lieferte immer einen kleinen Einblick, als Nahaufnahme in das Leben und die Umstände. Auf dem Platz mit den Dom, dem Turm und der Kuppel war es wieder brechend voll. Simones Hinweis, Diebe sehen nicht aus wie Zigeuner, sie sehen aus wie Touristen. Also haltet eure Geldbörsen und Wertsachen fest. Es macht nicht wirklich Spaß hier umherzulaufen, flanieren geht einfach nicht. Ich war  von der Schönheit der Stadt, ihren Bauten und den Brücken mit dem Flair von Leichtigkeit und Glückseligkeit fasziniert, aber es sind einfach zu viele Menschen unterwegs um zu verweilen, wirken lassen und genießen geht so nicht. So bleiben die Fotos und ein Gefühl. Ich fand mich in Florenz gut zurecht, das war einfacher als in Siena. Wir hatten dank unser super organisierten Guides immer einen Stadtplan als Orientierungshilfe bekommen und auch die Führungen war mit Ohrstöpseln, so dass alles bestens zu verstehen war. Schön, das an diesem Tag Florenz im Sonnenlicht zu sehen war. Besonders auf der Brücke entland des Flusses blieb ich länger.

Am Abend war Abschied angesagt. Nach dem Abendessen fuhren wir noch einmal im Dunkeln nach Alto hoch und die Nacht brach herein. Ein Lichtermeer zum Inne-Halten, einen Trunk nehmen und dann mit der Funicolare noch einmal den Weg zum Hotel zu nehmen.

und viele Skizzen sind entstanden hier nur eine davon

Leider war die Heimreise mit etlichen Wiedrigkeiten gespickt. Pünktlich startete der Flieger nach Frankfurt…ausnahmsweise..wie der Kapitän uns sagte. In Frankfurt waren Gewitterwarnungen angesagt. Ich hatte in Frankfurt fast zwei Stunden Aufenthalt, zum Anschluss – Flug nach Berlin, und sollte um 18 Uhr ankommen. Eine gute Zeit um gut bis nach Hause zu fahren. Bus und Bahn war schon rausgesucht. Leider stellte sich heraus das unser Anschlussflug storniert wurde. Also brach Aufregung aus. Noch zwei Reiseteilnehmerinnen waren mit mir auf dem Rückweg nach Berlin. Ein Angestellter der Lufthansa zeigte uns wie wir weiter kommen. Ein Automat sollte uns eine Umbuchung auf den nächsten Flieger anzeigen. Oh diese blöden Automaten, aber die Eingabe funktionierte. Es gingen noch ca. 7 Flüge nach Tegel – hinter allen stand Warteliste. Mein Instinkt riet mir den um 20:15 zu wählen denn dort war wohl noch was frei. Gedacht getan und so spuckte der Blechkasten eine Buchung für den letzten Flug nach Tegel aus. Die beiden Frauen wählten die Option Warteliste. Für einen Gutschein gönnte ich mir ein Bier und wartet auf dem riesigen Flughafen. Es schien chaotisch an diesem Abend, aber vielleicht war alles auch normal. Hey ich war in Deutschland und hatte in Florenz zum Glück noch Geld geholt. Leider verzögerte sich der Abflug noch einmal erheblich, weil eine Ersatzcrew besorgt wurde. So begann der Abflug erst kurz vor 22 Uhr. Ich hatte dennoch alles richtig gemacht, denn die zwei Frauen kamen mit ihrer Warteliste nicht zum Ziel, sie flogen dann mit mir. Es war quasi der letzte Flug der in Tegel noch einflog…um 23:30 ist dort Betriebsschluss. Das Gepäckband sprang ungewöhnlich schnell an, aber meine Tasche kam nicht mit. Ich war auch nicht die Einzige. In der Ankunftshalle nur noch Reinigungspersonal, der Kehraus der auf Fragen keine Antwort wusste. Als wir den Schalter für Gepäckverlust endlich gefunden hatten, ein dicker Mann der überfordert meckerte, weil er gleich Feierabend hätte und noch vier Kunden vor sich die ihr Gepäck verlustig melden wollten.  Ich schnappte mir eine Visitenkarte, um das Problem später zu lösen, denn die Sorge es könnte kein Taxi mehr gehen war berechtigt und es war 23:22 Uhr. Am Taxistand eine lange Schlange und Einweiser mit walki talki…es ging schnell voran, doch auch der Diensthabende rief in die Menge hinter mir, also sucht euch mal Busse um weiter zu kommen hier ist nun gleich alles dicht und da kommt nix mehr. Ich war die Nächste in der Reihe  und bettelte um das fast letzte Taxi. Das kam auch gleich. Ich bin kurz nach Mitternacht in meine Wohnung und  konnte nicht schlafen. Mit viel Problemen konnte ich am nächsten Tag den Gepäckverlust melden und es wurde mir am Abend gebracht. So geht eine tolle Reise entgültig zu ende. Was für schöne Tage.